Weinlese 2022 - ein intensives Jahr

Alle Jahre wieder - was für das berühmte Weihnachtslied von Wilhelm Hey von 1837 gilt, lässt sich auch gut für den Winzer auf die Weinlese übertragen. Wir wollen nun kurz zurückblicken auf eine intensive Weinlese 2022, die letzte Woche zuende ging.

Ein trockenes Jahr, eine nasse Ernte

Die Weinlese in einem Wort: "Herausfordernd". Das hörte man oft, wenn man dieser Tage Ralf danach fragt, wie die Weinjahr denn so verlief. Tatsächlich begann auch 2022 sehr warm: So war bereist im Mai die gesamte Entwicklung der Reben durch die sommerliche Witterung schon sehr weit fortgeschritten und lag etwa 8 Tage vor der langjährigen Norm. Was schon im Mai fehlte, zog sich durch den gesamten Vegetationsverlauf: Regen und das benötigte Wasser für unsere Weinreben. Wir erlebten damit abermals ein frühes Jahr, da die Entwicklung nur 2 bis 3 Tage hinter der des extrem frühen Jahres 2020 lag. Das Wachstum verlief so, dass wir die Laubarbeiten recht gut bewältigen konnten und kein großer Stress aufkam. Der Grund dafür lag natürlich in der Trockenheit. "Weinrebe und Trockenheit sorgen für Work-Life-Balance unter Winzern" könnte man titeln.

 

Doch die Trockenheit im August sorgte dann schon für ein wenig Sorgen gerade bei den jüngeren Weinbergen. Deren Wurzeln greifen noch nicht so tief ins Erdreich wie das der älteren Rebenkollegen, wodurch sie schneller unter Trockenstress geraten. Daher sahen wir auch in Flonheim zahlreiche Tanklastzüge in Richtung Weinberge ziehen, um die Weinreben mit Wasser zu versorgen. Wir selbst kamen erstaunlicherweise ohne Bewässerung aus. Alles sah danach aus, als würden wir im August bereits mit der Weinlese beginnen müssen.

Und dann kam der September und mit ihm der ersehnte Regen. Mit einem Mal wurde alles wieder recht schnell saftig grün und erstaunlicherweise ging es doch nicht sofort los mit der Weinlese, und das wohl aus zwei Gründen: Zum einen zog ein kälteres Wetter in Rheinhessen ein und verzögerte die Reife, zum anderen sorgte im Vorfeld des Regens die starke Trockenheit für eine Reifeverzögerung. Doch einen gewissen Temperaturschock dürften wohl Reben wie auch wir Menschen davon erhalten haben: Vom Hochsommer ohne Übergang direkt in den Spätherbst. Keine Zeit für große Anpassungen - es ging los mit der Weinlese am 12. September.

 

Ende gut, alles gut?

Die Mostqualitäten passten dann doch sehr gut zu dem Ideal, das wir uns erwünschen. So lagen die Mostgewichte im Bereich von 80 bis 90 Grad Oechsle. Das zeugt von sehr reifen Trauben bei moderaten Säuregehalten und bei den roten Sorten sehr farbintensiven Moste. Es blieb dennoch bis zum Schluss spannend und wieder einmal galt die Winzer-Faustregel, dass man den Jahrgang nicht eher loben soll, bis er im Keller ist. Eines wurde uns dabei besonders vor Augen geführt: Dass die Reben zur Zuckerproduktion auch Wasser und nicht nur Sonne benötigen.

So langsam lassen sich nun die ersten Jungweine nach der Gärung verkosten. Zwar ist es noch sehr früh, aber alles in allem schmecken sie, das lässt sich schon sicher sagen, nach einem gelungenen Jahrgang 2022.


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